Senioren-Weltmeisterschaften
in San Sebastian
Ungebrochen ist der
Andrang der Senioren über 35 Jahre bei den Weltmeisterschaften, die alle zwei
Jahre stattfinden. Dies zeigte sich deutlich bei den diesjährigen Titelkämpfen
im spanischen San Sebastian. Über 3500 Teilnehmer weilten zehn Tage lang in
diesem Ort am Atlantik.
Entgegen den
Weltmeisterschaften der Aktiven, wo man vom Verband nominiert wird, kann an
diesen Senioren-Weltmeisterschaften jeder teilnehmen, der die geforderten
Leistungen erfüllt und auch die finanziellen Möglichkeiten dazu hat. Es war
schon erstaunlich, wie viele Athleten aus so weit entfernten Ländern wie
Mexiko, Argentinien, Brasilien oder gar Australien angereist waren, um sich den
Titel „Weltmeister“ zu sichern. Der Deutsche Leichtathletikverband unterstützt
diese Aktivitäten und nominiert vor Ort Auswahlen für die Staffeln und für die
Mannschaften im Crosslauf und im Gehen.
Die Teilnehmer des Kreises
Esslingen kamen zwar in ihren Einzel-Wettbewerben nur durch den Nürtinger
Kosmas Kapassakalis zu einer Bronzemedaille über 400 Meter in M 70, aber alle
Starter schafften die Aufnahme in die deutschen Mannschaften. Dort waren sie
eine wichtige Stütze und dann auch ungemein erfolgreich.
Neben dem Neuhäuser Kurt
Schumacher, der zweimal Gold mit den deutschen Staffeln in M 80 gewann, war der
Nürtinger Sprinter Kosmas Kapassakalis der erfolgreichste Athlet des Kreises
bei dieser WM. In seiner Altersklasse M 70 zeigte der nun 71-Jährige echte
Klasse, wobei es insgesamt gesehen schon erstaunlich war, wie hoch das
Sprint-Niveau auch mit 70 Jahren noch sein kann. Kosmas Kapassakalis lief in
den 100-Meter-Vorläufen 14,04 Sekunden und kam in das Halbfinale. Immerhin gab
es nicht weniger als fünf Vorläufe allein in dieser Altersklasse. Im Halbfinale
reichten dann 14,06 Sekunden nicht aus, um den Endlauf zu erreichen. Über 200
Meter gewann Kapassakalis seinen Vorlauf in 29,10 Sekunden. Er steigerte sich
im Halbfinale auf 28,65 Sekunden und war im Endlauf, wo er dann aber über Rang
acht nicht hinauskam.
Ganz stark jedoch seine
Vorstellung über 400 Meter. Im Vorlauf lief er leicht und locker 68,47 Sekunden
und war in der nächsten Runde. Dort schaffte er 67,68 Sekunden und war im
Endlauf der besten acht. In einem begeisternden Rennen schlug er hier einige,
denen er noch im Vor- oder Halbfinale unterlegen war. In jetzt 65,61 Sekunden
holte er sich die Bronzemedaille. Sieger wurde der Australier Hugh Coogan in
61,29 Sekunden vor dem Deutschen Karl Heinz Neumann (64,92). Dicht hinter
Kapassakalis folgte mit Horst Schrader ein weiterer Deutschen
in 66,02 Sekunden.
Diese starke Vorstellung
brachte dem Nürtinger die Nominierung für die 4×400-Meter-Staffel. Und hier war
das deutsche Quartett eine Klasse für sich. Nach 4.37,40 Minuten waren die
70-Jährigen im Ziel und klar vor Großbritannien (5.16,33)
und Argentinien (90.16,07). Damit war Kosmas Kapassakalis Senioren-Weltmeister
über 4 × 400 Meter in der Klasse M 70.
Im Spring der M 60 schied
Peter Röckle von der TG Nürtingen über beide Distanzen in den Vorläufen aus.
13,70 Sekunden über 100 Meter und 28,70 Sekunden über 200 Meter waren seine
Zeiten. Anders in der jüngsten Altersklasse M 35. Thomas Link von der LG
Leinfelden reichten über 100 Meter zwar seine 11,61 Sekunden in den Vorläufen
nicht für die nächste Runde, dafür präsentierte er sich jedoch über 200 Meter
ganz stark. 22,99 Sekunden im Vorlauf brachten ihn ins Halbfinale. Dort lief er
22,87 Sekunden und war im Endlauf, wo er dann in jetzt 22,80 Sekunden Achter
wurde.
Diese Zeiten brachten
Thomas Link die Nominierung für die deutschen Staffeln und diese holten dann
Medaillen. Über 4 × 100 Meter lief Deutschland mit Thomas Link 43,63 Sekunden
und dies war Bronze hinter der überlegenen USA (42,62) und Großbritannien
(43,47), aber vor Italien und Spanien. Knapper ging es über 4 × 400 Meter zu,
erneut mit Thomas Link. Man holte sich die Silbermedaille nach 3.27,98 Minuten,
nur erneut geschlagen von den USA (3.19,90), aber
dieses Mal knapp vor Spanien (3.28,58) und Großbritannien (3.34,06).
Rudolf Pletzer vom TSV
Frickenhausen gehört in seiner Altersklasse M 55 eindeutig zu den besten
Deutschen im Mittel- und Langstreckenlauf. Dies bewies er erneut in San
Sebastian, wo er eine Stütze der Deutschen im Crosslauf über acht Kilometer
war. Pletzer kam im riesigen Feld nach 29.32,00 Minuten auf Rang sieben ins
Ziel, war damit hinter dem Bayern Franz Herzgsell zweitbester Deutscher und
damit in der Mannschaft. Da der dritte Deutsche Kurt Herbicht mit 30,07 Minuten
nicht weit hinter Pletzer lag, war man sicher, dass die Mannschaft auch weit
vorne landen würde. Dies war dann auch so: Man holte mit der Gesamtzeit von
88.52,00 Minuten die Silbermedaille nur etwas über eine Minute hinter den
siegreichen Russen, aber deutlich vor Spanien, Großbritannien, Mexiko und
Australien.
Nach diesem Erfolg ging es
für Rudolf Pletzer auch noch in die Vorläufe über 800 Meter der M 55. Nach
2.18,09 Minuten wurde er Dritter im vierten Vorlauf und erreichte damit das
Halbfinale. Dort gab es eine Steigerung auf jetzt 2.15,50 Minuten, aber es reichte
nicht ganz für den Endlauf aus. Gerade mal ein Rang fehlte, um unter die
letzten acht zu kommen. Trotzdem war die Vorstellung von Rudolf Pletzer in San
Sebastian beeindruckend.