Liebe Trainer, Betreuer, Athleten,
liebe Freunde der Leichtathletik,
Für die Kreiswaldlaufmeisterschaften wird ein neues, auf den ersten Blick sicher gewöhnungsbedürftiges Konzept hier vorgestellt.
Bisher wurden die Kreiswaldlaufmeisterschaften im Schülerbereich über Strecken von 1000-2000m durchgeführt. Diese Streckenlängen sind für Schüler nicht unbedingt leistungsfördernd, da auf diesen Strecken oft Schüler und Jugendliche dominieren, die bereits ein stark ausdauerorientiertes Training durchführen. Ein zu intensives Ausdauertraining behindert jedoch häufig die Entwicklung der Schnelligkeit, die vorrangig im Schüleralter trainierbar ist.
Eine hohe Grundschnelligkeit ist jedoch Grundvoraussetzung für eine angemessene Schnelligkeitsausdauer, die im Mittelstreckenbereich, vor allem über die 800m-Strecke, den leistungslimitierenden Faktor darstellt. Ohne auf leistungsphysiologische Details einzugehen, ist erwiesen, dass nur die Läufer überragende Ergebnisse erzielen können, die über eine hohe Säure-Pufferfähigkeit und Säuretoleranz verfügen. Auch auf der Langstrecke siegt, vor allem bei Meisterschaftsrennen, der Athlet, der über eine große Schnelligkeitsausdauer verfügt.
Auf die Streckenlängen im Waldlauf übertragen heißt dies, das wir uns den Wettkampfstrecken aus der Unterdistanz und nicht wie oft üblich, aus der Überdistanz zu nähern haben. Eine zu frühe Entwicklung der aeroben Ausdauer auf Kosten der Schnelligkeit führt zu einem langen Zeitprogramm im Nerv-Muskelgewebe und behindert eine spätere Leistungsentwicklung. Wir müssen darauf achten, dass die Schüler, die größten Siegchancen haben, die schnelligkeitsausdauernd sind und die eine angeborene, nicht frühzeitig (zu früh!) antrainierte aerobe Grundlagenausdauer mitbringen.
Unter diesen Gesichtspunkten will der Kreis Esslingen seine Waldlaufmeisterschaften im Jahr 2004 wie im Anhang dargestellt durchführen. Bedenken wegen zu hoher Laktatwerte auf den vorgeschlagenen Strecken im Wettkampf bestehen bei gesunden Schülern nicht. Auch eine Strecke über 2000m wird von Schülern im Wettkampf nicht aerob gelaufen. Beobachtet man Kinder beim Laufen über eine Strecke von ca. 1000m, stellt man fest, dass sie die ersten 400 – 500m sehr schnell anlaufen, um dann häufig "einzubrechen". Sie werden dann überholt von den langsameren aber bereits ausdauertrainierten Kindern, die dann gewinnen und fälschlicherweise als die talentierteren erachtet werden. Ein Trugschluss, der häufig zu spät bemerkt wird.
Für Kinder ist es zudem mental ansprechender, sich auf kürzeren Strecken zu beweisen. Ihr Zutrauen, überschaubare Strecken durchzuhalten ist größer.
Unhabhängig von den genannten Argumenten müssen wir in der Leichtathletik auch auf der emotionalen Schiene etwas bewegen. Überkommene Strukturen müssen zum Wohle der Athleten aber auch im Interesse der Zuschauer aufgebrochen werden.
Andere Sportverbände haben uns dies bereits mit Erfolg vorgemacht (z.B. Biathlon, Skilanglauf).
In diesem Sinne will der Kreisausschuss des Kreises Esslingen die Leichtathletik nicht nur verwalten, sondern auch gestalten. Neu gestalten um Leistung zu steigern zum Wohle der Athleten und der gesamten Leichtathletik. Bei dieser Neugestaltung sind wir auf die Unterstützung aller angewiesen.
Mit freundlichem Gruß
Rudolf Persch
P.S. Für Anregungen und konstruktive Kritik ist der gesamte Kreisausschuss dankbar.
Bitte nehmt Kontakt auf unter rudolf.persch@wlv-esslingen.de